26.02.2020

Großer Bahnhof für die Kunst

Neben dem Lehrter Bahnhof (an dessen Stelle heute der Berliner Hauptbahnhof steht) gehörte auch der nur wenige 100 Meter entfernte Hamburger Bahnhof einst zu den prächtigsten Kopfbahnhöfen Berlins. Aber nicht für lange. In den 1840er-Jahren gebaut, war bereits 1884 Schluss mit dem Bahnverkehr in dem schlossartigen Gebäude. 1906 begann mit dem Einzug des Königlichen Bau- und Verkehrsmuseums die museale Umnutzung.

Der Zweite Weltkrieg macht dem vorerst ein Ende und später fiel das in West-Berlin gelegene, aber der ostdeutschen Reichsbahn gehörende Gebäude in einen langen Dornröschenschlaf. Erst 1987 war hier, anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins, wieder eine Ausstellung zu sehen. Anschließend begannen umfassende Sanierungsarbeiten, um die Wiedereröffnung als Museum für Gegenwart vorzubereiten. 1996 war es dann so weit und Berlin um eine museale Attraktion reicher.

Neben wechselnden temporären Ausstellungen sind im Hamburger Bahnhof weltbekannte Werke moderner Künstler wie Joseph Beuys, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg und Andy Warhol zu sehen. Besonders beeindruckend sind u. a. die Plastiken von Anselm Kiefer: eine aus Bleiplatten nachgebaute, tonnenschwere Bibliothek oder riesige Modelle von Flugzeugwracks. Kaum weniger faszinierend ist die Friedrich Christian Flick Collection, die 2004 als Dauerleihgabe ins Haus gelangte und für deren Präsentation eigens die benachbarten Rieckhallen mit einem baulichen Übergang an das Museum angeschlossen wurden.

Wer bis heute dem Irrglauben anhängt, moderne Kunst sei auf abstrakte Farbspiele zu reduzieren, wird im Museum für Gegenwart definitiv eines besseren belehrt. Die Ausstellung in den faszinierenden Hallen des Hamburger Bahnhofs verwandelt regelmäßig auch Menschen, die sich sonst weniger für Kunst begeistern können, in staunende Kinder.